Birgits Augen
Sam Jost
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Probieren12.08.2006

Man sitzt im Restaurant, und am Nachbartisch sieht man ein Essen das man nicht kennt. Gehen wir mal davon aus das man auch grade gut was essen könnte, und nun die Überlegung kommt ob dieses Essen vielleicht etwas für einen wäre. Was tun?

Als erstes überprüft man mal die Optik - wie sieht es aus, ist es ansprechend angerichtet, stimmt das drumherum. Das lässt sich gut aus sicherem Abstand beurteilen und entscheidet oft genug ob man dem Gericht überhaupt näher kommen will.

Die Nase, weiss jeder, entscheidet sehr viel. Aber man kann ja nun nicht einfach hingehen und den Riechkolben direkt an das Essen halten um zu überprüfen ob es ansprechend riecht. Falls der Geruch intensiv ohne Näherkommen wahrnehmbar ist beeinflusst das sicher die Entscheidung, auch wenn es nicht in Worte zu fassen ist auf welche Weise.

Also bleiben wir mal bei der Optik: man guckt sich an was denn so drin und dran ist, welche offensichtlichen Zutaten verwendet wurden, ob da etwas bei ist was einen direkt abstösst, weil es vielleicht zu scharf sein könnte. Manchmal kann man ja schon auf den ersten Blick entscheiden dass man *das* nicht essen möchte.

Man schaut sich die Zusammenstellung der erkennbaren Zutaten an: sind das Dinge die man mag, oder scheint es eher langweilig was da zusammen auf dem Teller liegt?

Man könnte den der das Essen gebracht hat fragen was es denn ist, und ob es gut ist. Damit bekommt man einen Namen für das Essen der meist nicht viel weiterhilft, und oft genug die Aussage das es natürlich gut ist. Vielleicht kann man so noch ein wenig mehr über das Essen erfahren, was besonders daran ist, über die Zubereitung, die Geschichte, die Eigenschaften und Zutaten.

Aber auch das reicht ja noch nicht völlig um rauszufinden ob man es mag oder nicht.

Jemand vorsichtiges könnte immer noch zögern das auszuprobieren: man könnte ja feststellen das man es vielleicht doch nicht mag, und sich dennoch genötigt fühlen aufzuessen, man hat es ja bestellt und sich dafür entschieden, da kann man ja nicht nach einem Bissen aufhören - vielleicht ist das ja nur der erste Eindruck dass es nicht schmeckt weil es ungewohnt ist. Vielleicht wird es ja richtig lecker wenn man sich erstmal etwas an den Geschmack gewöhnt hat.

Vielleicht lässt man es auch einfach mit den Experimenten und bleibt bei dem was man kennt.

 

Ich für mich weiß dass ich etwas probieren muss um ernsthaft sagen zu können ob es etwas für mich ist. Mir gehts dabei natürlich nicht (nur) um Essen, sondern um Beziehungen - wenn man sich das bei mir ansieht wirkte es bei mir sicherlich meist so als wenn ich sehr schnell und unvorsichtig von einer Beziehung in die nächste stolpere - aber wie sonst soll ich auch wissen ob jemand eine passende Partnerin ist, wenn ich es nicht ausprobiere?

Da kann ich noch so lange Gemeinsamkeiten suchen, Unterschiede befürchten, vom Zusammenleben träumen, solange ich es nicht probiert habe, mich nicht einmal darauf einlasse, werde ich nicht rausfinden ob es nun passt oder nicht. Ulla Meinecke sagte bei einem Konzert einmal den sehr treffenden Satz 'Man muss viele Frösche küssen, um einen Prinzen zu finden'.

Der für mich schwierigste Moment in Beziehungen war immer einzusehen, dass es (für mich) nicht passt, und daraus die Konsequenzen zu ziehen. Oft habe ich mir nicht eingestanden das es nicht passt, hatte mir das ganze ja vorher so lange so schön ausgemalt dass ich unbedingt wollte das es nun die Richtige ist, war Blind dafür, dass es ganz offensichtlich nicht richtig war.

So lange bis mein Körper anfing mir ganz deutliche Signale zu geben das etwas nicht stimmt: ich wurde Krank.

Im letzten Dreivierteljahr hab ich angefangen wesentlich mehr auf meine Gefühle und meine Intuition zu hören wenn es um Beziehungen geht, denn was hilft mir die für den Verstand ach so tolle Beziehung wenn mein Gefühl nicht passt, die Beziehung mich Krank macht.

Ich habe Haufenweise Frauen kennengelernt, und einige sehr kurzlebige Beziehungen angefangen, wo ich schnell gemerkt habe dass mir das nicht gut tut (der Gegenseite damit sicher auch nicht) und wieder beendet.

In dieser Zeit habe ich auch viel über Beziehungen gelesen und gelernt, habe mir irgendwann auch mal die perfekte Partnerin ausgemalt, diese Erwartung nach Lektüre von Simply Love, Wenn es verletzt... und Liebe dich selbst... wieder verworfen (wenn man etwas bestimmtes erwartet kann man eigentlich nur enttäuscht werden - die Fantasie kann es ja doch viel schöner ausmalen als es dann in echt ist)

Und als ich mich grade damit anfreundete dass das Leben ohne Beziehung eigentlich viel schöner ist, zumal ich zwei sehr nette Tanzpartnerinnen gefunden hatte mit denen so ein sehr nettes unkompliziertes Umgehen möglich war, und zu der Meinung kam das eine Beziehung das alles jetzt eigentlich nur zum schlechten verändern könnte, verguckten meine eine Tanzpartnerin und ich uns ineinander.

Noch erstaunlicher: alles was ich mir mal von 'der perfekten Partnerin' erwünscht hatte um es dann wieder zu verwerfen wurde erfüllt, ohne meine Erwartung dass es so sein müsste (irgendwo hab ich noch die Liste, ich hatte mir das seinerzeits sogar mal aufgeschrieben).

Also bin ich nun knapp zwei Wochen mit Birgit zusammen, und es passt so gut, fühlt sich so richtig an, dass ich auch direkt mit ihr zusammenziehen würde sobald sich eine passende Wohnung findet, denn auch hier gilt für mich: wie soll ich wissen ob es auch wirklich klappt und richtig ist solange ich es nicht probiert habe (auch wenn mein Verstand sagt dass es ganz gut ist dass wenn man nichts überstürzt).

Entsprechend bitte nicht wundern wenn ich hier weniger Aktiv bin als sonst, oder meine Zeit noch ein wenig knapper geworden ist als sie vorher ohnehin schon war. Frisch verliebten sollte man so etwas nachsehen. ;)

Veröffentlicht am Sa, 12. Aug 2006, 06:34 von Sam

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