Gekreuzte Hände
Sam Jost
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Ich bin zwar noch lange nicht durch mit 'Auf der Suche nach dem verlorenen Glück', es reicht aber schon für einen ersten Eindruck:

Eigentlich geht das Buch bisher in erster Linie um frühkindliche Prägung. Was ich aber auch daraus lese, ist dass fast alle Bewohner der Industrieländer durch eine sehr unnatürliche frühkindliche Phase seelische Defekte mit sich herumtragen. Und ich selber tauge gut als Beispiel:

Durch ein paar Zufälle bin ich heute ständig in Situationen gerutscht in denen ich mich ausgegrenzt fühlte. Nicht direkt unerwünscht, nicht direkt störend, mehr überflüssig. Toleriert. Nachdem jede Begegnung an diesem Tag dieses Gefühl bei mir hinterließ hatte ich dann noch das dringende Bedürfnis nach einem Abendspaziergang an der frischen Luft, um den Kopf wieder klar zu kriegen, der grade dabei war so richtig schön in Selbstmitleid zu schwelgen.

Das erste was mir dabei auffiel war, dass ich diese Traurigkeit als ein richtig schönes Gefühl empfand. Wie einen alten Bekannten, den ich lange nicht gesehen hatte, den ich freudig wieder begrüße, alte Zeiten aufleben lassend. Tiefe Gefühle, egal welcher Richtung, haben was heimeliges.

Aufgrund des gelesenen kam mir die Idee, dass ich dieses Gefühl selber verursacht habe, weil ich es unterbewusst so haben wollte. Von außen betrachtet war keine der Situationen gegen mich, das Gefühl dazu entstand ganz alleine bei mir. Byron Katies Fragen (the Work) brachten mich im nächsten Schritt darauf das niemand mich ausgrenzt, sondern im Gegenteil ich alle anderen ausgrenze indem ich mich für niemand öffne. Eigentlich keine neue Erkenntnis für mich, und die meisten die mich kennen wird's wohl nicht besonders überraschen :)

Der nächste Gedanke in der Folge, ausgelöst durch Jean Liedloffs Buch, war schon eher eine neue Erkenntnis für mich: Nämlich dass ich dazu neige alle meine Bedürfnisse auf eine einzelne Person zu konzentrieren. Kein Mensch kann so einen ausschließenden Bezugswunsch erfüllen, damit ist jede Beziehung von vornherein zum Scheitern verurteilt. Alle anderen sind für mich nur Nebenfiguren. Die Bezugspersonen die ich hatte sind inzwischen lange in alle Winde verstreut, und ich habe mich nicht darum bemüht neue zu finden.

Dieser Gedanke war ein Aha-Erlebnis für mich, ein Ansatz um etwas zu ändern. Im Prinzip wusste ich das zwar schon, die Auswirkungen waren mir aber nie so richtig klar, jetzt sehe ich einen Grund, ein Ziel, einen Weg. Ich habe mir wohl lange genug bewiesen dass ich keine echten Freunde brauche, um endlich mal einzusehen dass ich trotzdem welche haben will :*)

Zeiten der persönlichen Entwicklung sind doch einfach super spannend! Grade dadurch dass alles schwierig und unbequem ist. Mal sehen wo diese Erkenntnis mich hinführt, und was dann kommt. Oder ob ich am Ende irgendwann merke dass ich doch wieder an genau der gleichen Stelle gelandet bin wo ich schon mal weg wollte.

Veröffentlicht am Mo, 15. Mai 2006, 07:33 von Sam

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