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Sam Jost
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Einer fängt meistens an. Ich auch. Eine Unterhaltung wird zu einer Aufzählung.

Kennt ihr das? Ein paar Leute kommen zusammen, zu Hause, in einer Kneipe, egal wo. Jemand erzählt etwas, was ihm passiert ist. Irgendwas, ist meist ja auch nicht so wichtig. Jemand anders fällt dazu eine Sache ein die ihm/ihr ein andern mal passierte. Und schwupps erzählen alle eigene Erlebnisse. Oder man sucht gegenseitig Bestätigung "weißt Du noch als...", die Geschichten werden größer, bei einigen Leuten kann man schon vorhersagen welche kommen. Welche immer kommen.

Aber kaum einer hört mehr wirklich zu. Es geht ums Erzählen, nicht ums zuhören. Vielleicht auch ein wenig darum die interessanteste Geschichte zu erzählen, die absurdeste, die schönste. Aufzufallen zwischen all den anderen Geschichten.

Wenn jemand neues dabei ist, der die Geschichten noch nicht kennt, kommen auch mal nachfragen. sind die Geschichten für den neuen mal spannend, werden ausgewalzte Geschichten wiederholt.

Werfen sich die Kennenden die Bälle für ihre bewährten Geschichten zu.

Die Geschichten sind ja auch alle wahr, allenfalls etwas geschickt erzählt damit sie ein wenig spannender klingen. Manche sagen etwas über die Person, die sie erzählt. Über ihre Werte, Gefühle, Meinung.

Einige erzählen auch Geschichten die sie im Fernsehen gesehen haben als wären sie Wirklichkeit. Irgendwie sind ja auch Dinge im Fernsehen eine Art Wirklichkeit.

Manche erzählen Geschichten die kürzlich passiert sind. Geschichten die etwas über den Erzähler und sein Leben aussagen. Dinge mit einer Meinung, einer Aussage. Andere erzählen eher alte Sachen. Sachen die neutral zum Erzähler sind. Die sie selber woanders gehört haben. Oder ein paar aufgeschnappte Fakten, Daten, wo keine Menschen wirklich beteiligt sind.

Man redet natürlich nicht durcheinander. Man lässt den anderen ausreden. Nun ja, zumindest lässt man ihn seinen Satz zu Ende bringen. Einige haben jedes mal eine neue Geschichte. Andere nicht. Oder es ist nur die alte in einem neuen Gewand. Manche Geschichten werden nicht oft erzählt, manche noch nach Jahrzehnten immer wieder.

Das ist gut so, und sicher ist dieser Austausch, mal ein verbales Schulterklopfen, mal ein "Ich möchte auch was sagen", mal was auf dem Herzen liegt, akut drückt, auch nötig.

Es gibt auch eine andere Form der Unterhaltung, des Gesprächs, wo nicht wiederholt wird, sondern aus dem gemeinsamen Wissen neue Dinge entstehen. Wo man dem Vorredner zuhört, auf dem aufbaut was er erzählt, andere Meinungen erfragt, hinterfragt, und einbezieht. Wo sich etwas entwickelt, nicht wiederholt. Wo Interesse an dem ist was jemand anders dazu zu sagen hat. Wo man Erkenntnisse gewinnt, Wissen verknüpft. Wo man mehr über die Erzähler lernt als nur die Fakten. Wo die Geschichten zusammen eine große Geschichte ergeben.

Und dann: Jemand hat vielleicht das Gefühl nichts beitragen zu können. Oder zu wollen. Oder übersehen zu werden. Oder findet das Thema unangenehm, langweilig, überflüssig. Jemand fällt eine Geschichte dazu ein, vielleicht sogar eine die etwas beiträgt, vielleicht aber auch nur eine die damit verwandt sein könnte. Und schon wird es wieder eine Aufzählung. Das geht einfach, da kann jeder mitmachen.

Gab es da nicht ein Spiel als Kind? Wo man ein Wort verlängert, dran anbaut. Und am nettesten war es doch wenn das Wort sehr lang wurde, aber gewonnen hat man wenn der andere es nicht verlängern konnte. Uns wurde beigebracht an die Worte anderer anzuknüpfen, aber nicht unsere Worte so zu gestalten dass jemand anders dran anknüpfen kann.

 

Ich finde das Schade. Wenn es immer die gleichen Leute sind. Oder die gleichen Geschichten.

 

Früher konnte ich geduldiger zuhören.

Veröffentlicht am Sa, 24. Sep 2005, 10:18 von Sam

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