Feuer
Sam Jost
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Viele Jahre ist es her, aber ein aktueller Anlass hat diese alte Geschichte wieder in meine Erinnerung zurückgerufen:

Ein Verkäufer mit dem wir als Firma zusammenarbeiteten betreute damals bei vielen Handwerkern eine weit verbreitete Handwerkersoftware.

In diese Software musste man regelmäßig große Datenmengen importieren, und aufgrund einer ungeschickten Programmierung hat das extrem lange gedauert wenn diese Datenmengen nicht vorsortiert waren.

Und natürlich waren sie nie vorsortiert.

Also kam er auf die Idee, dass man den Anwendern eine kleine Software verkaufen könnte, die die Daten vorsortiert, und uns als Softwarefirma fragte er ob wir nicht so eine Software stricken könnten, er würde sie verkaufen.

Gefragt, getan, es war wirklich nicht weiter schlimm, einzig die Oberfläche möglichst einfach und intuitiv zu machen war etwas mehr Arbeit. Er hat das dann einer Handvoll seiner Kunden für ein paar Märker verkauft, die waren überglücklich.

Dann passierte das spannende: Der Hersteller der langsam importierenden Software hatte Interesse an unserem Sortier-Programm - geniale Sache, die haben ja auch alle Anwender in Ihrer Kundendatenbank, und sind damit der ideale Verteiler. Die Chance ein vorhandenes Programm viele tausende Male an den Mann zu bringen.

Nun war ich damals nicht bei den Gesprächen mit dieser Firma beteiligt, ich hab die Geschichte nur programmiert, damit weiß ich leider nur meinen Teil der weiteren Geschichte:

Die Firma bekam eine Demoversion um sich das mal ansehen zu können, und meldete sich nie wieder.

Später bekamen wir heraus dass die unsere Demoversion einfach von Ihrer eigenen Entwicklungsabteilung haben nachprogrammieren lassen, Bild für Bild, und sie dann als eigene Software verkauft haben. Nicht nett.

Auf einen Rechtsstreit hatten wir keine Lust, egal wie offensichtlich das für uns aussah denke ich auch heute noch dass es ziemlich aussichtslos ist, das vor Gericht durchzusetzen da die zu beklagende Firma einfach deutlich größer war als wir.

Wie gesagt kenne ich nur meinen Teil der damaligen Geschichte zuverlässig. Vielleicht hat die Firma das Programm ja auch kaufen wollen, aber unser Verkäufer hat utopische Bedingungen gestellt. Ich war nicht dabei, entsprechend kann ich nur raten.

Dampf der AlexandraUnd warum mir das einfällt? Nun, ich programmiere grad an einem kleinen Hilfsprogramm nach dem mich jemand gefragt hat, und obwohl es eigentlich nichts besonderes ist gibt es da einigen Bedarf zu, da die vorhandenen Programme zu umständlich sind. Sprich die eigentliche Leistung des Programms liegt in dem Entwurf der Eingabemasken und Abläufe, nicht in der Logik hinter diesen. Man muss sich ziemlich gut rein denken und viel probieren um diese Masken einmal zu gestalten, aber danach lässt es sich leicht abkupfern.

Und nun hat sich, neben den Endkunden die das gerne haben möchten, einer Ihrer Zulieferer interessiert gemeldet. Eine Firma die im Dow Jones steht, bei denen also entsprechend jeden Tag mehr Geld für Kaffee ausgegeben wird als wir im Monat umsetzen. Eine Firma die, da bin ich mir sicher, einige IT-Abteilungen hat wo sicher auch fähige Programmierer sitzen.

Und diese Firma schreit nun nach einer Demoversion.

Ich wusste auf Anhieb dass ich mich damit unwohl fühle, und nach etwas Gegrübel fiel mir halt diese alte Geschichte wieder ein, und ich frage mich was ich jetzt tun werde.

Diesmal werde ich zusehen dass ich bei den Verhandlungen dabei bin, aber ich frage mich ob ich wirklich eine Demoversion rausgeben möchte.

Oder ob ich das vorher rechtlich irgendwie versuche abzusichern um im Falle von Abkupfern einen Rechtsstreit mit dieser Firma anzufangen (die sich bei Ihrem Jahresumsatz von über €12Mrd sicher gute Anwälte leisten kann).

Blöde Situation.

Veröffentlicht am Fr, 22. Jul 2005, 09:36 von Sam

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