Großaufnahme vom Pentax 77mm Limited
Sam Jost
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Grün-Magenta offenblendig beim 77er Limited (Purple Fringing?)

Da es jetzt schon seit Tagen regnet fotografier ich im Moment halt ausnahmsweise keine Möwen sondern spiel stattdessen drinnen mit Objektiven rum um mal rauszufinden wo die Grenzen liegen. Auf diese zeitfressende Idee hat mich Petteri Sulonen mit seinem Artikel 'how to test a lens' gebracht, er meint dadurch das man seine Objektive besser kennen lernt kann man dessen Stärken besser ausnutzen und die Schwächen besser umgehen. Also hab ich mir mal das Pentax-FA 1:1,8 77mm Limited geschnappt und lern es kennen:

Ein sehr schönes Objektiv, handlich, schnell, angenehm zu fokussieren obwohl es leichtgängig ist. Es hat auch den Gnubbel zum einsetzen der demDA-14 fehlt. Das einzige was mich störte war der schicke Deckel der nur lose auf das Objektiv gesteckt wird, den hab ich durch einen normalen Klemmdeckel ersetzt der nicht so leicht abfällt.

Eine Sache die mir bei einem meiner Testbilder negativ auffiel waren die grünen bzw. violetten Ränder in dem Bild rechts - so stark wie in diesem Fall sollte solche Ränder eigentlich nur bei billigen Optiken auftreten, aber unter den richtigen Umständen bei offener Blende tritt das beim 77er genauso auf. Ich vermute mal das liegt daran dass es für DSLR-Sensoren wichtig ist in welchem Winkel das Licht auftrifft und dass die unterschiedlichen Farben durch ihre unterschiedlichen Brechungseigenschaften in einem unterschiedlichen Winkel auf der Filmebene ankommen. Das Objektiv ist ja auch nicht speziell für digitale Kameras gerechnet worden, sonst hätte man vermutlich versucht das Problem zu umgehen. Wär mal interessant ein Vergleichsbild mit einer analogen Kamera zu machen um zu sehen ob diese Farbabweichungen da genauso auftreten, vielleicht läuft mir ja mal günstig eine zu. Oder, ich vermute ja dass es daran liegt dass das Objektiv recht lichtstark ist, ein Vergleich mit einem lichtstarken Objektiv das für DSLR gerechnet wurde - dummerweise gibt's da von Pentax noch keins, die DA's sind alle nicht besonders lichtstark.

Auf jeden Fall muss ich an der digitalen bei offener Blende also mit solchen Rändern rechnen. Glücklicherweise fällt das in normalen Bildern bei weitem nicht so stark auf wie in diesem speziellen Fall, und es verschwindet auch recht schnell wenn die Blende nicht mehr ganz offen ist.

Blendenreihe mit dem SMC Pentax 77mm LimitedTeddyauge

Etwas anderes was ich schon oft gelesen hab aber nie so richtig nachvollziehen konnte war die Aussage 'bis Blende x zu Weich', 'erst ab Blende x richtig scharf'. Ich hatte irgendwie nie die richtigen Beispiel-Bilder um das selber nachvollziehen zu können und hatte nur recht halbherzige Testreihen gemacht.Meistens konnte das 'weiche' bei offener Blende auch als fehlende Tiefenschärfe durchgehen. Heute morgen kam ich dann auf die Idee mal ein animated GIF aus einer solchen Blendenreihe zu machen, und damit waren die Unterschiede dann deutlicher zu sehen. Leider war es diesig, regnerisch und entsprechend schlecht ist das Ausgangsmaterial meiner Blendenreihe links, aber dennoch kann man recht gut sehen wie weich das Bild bei offener Blende ist. Auf dem rechten Bild vom Teddy-Auge dagegen kann es genauso gut einfach nur fehlende Tiefenschärfe sein. Oder vielleicht fällt es auch weniger ins Gewicht wenn das Motiv dichter an der Kamera ist?

Auf jeden Fall hab ich dabei gelernt dass wenn es mir um möglichst viel Schärfe mit dem 77er geht ich es mindestens auf 3,5 abblenden sollte - meist kann ich aber auch gut mit dem offenen 'weichen' Eindruck leben, ich seh schärfe nicht als das einzige Ziel eines Fotos.

Ein unscharfes Licht recht nah dran (Bokeh)Ein unscharfes Licht weit weg (Bokeh)

Wo ich noch am grübeln bin was ich davon halte ist das Bokeh, also die Darstellung der unscharfen Bereiche. Ich find ja dass das Objektiv schöne Bilder macht, aber wenn ich Lichter mit Absicht unscharf aufnehme sind die entweder neutral flächig wie links oder bilden gar Ringe wie rechts, etwas was eigentlich als hässliches Bokeh gilt.

 

Blendenreihe in ca 2 km Entfernung mit dem 77er Limitedlinks mit UV-Filter, rechts ohne UV-Filter - Blendenreihe zum Vergleichen

Da mich die Unschärfe bei offener Blende nach etwas Diskussion im Digitalfotonetz-Forum doch etwas irritierte hab ich noch mal bei deutlich besserem Licht weitere Blendenfolgen gemacht,  die aber meinem 77er das gleiche unscharfe offene Bild bescheinigen. Ein weiterer berechtigter Einwand war dass das FA-77 ein Portrait-Objektiv ist und entsprechend für nah-Distanzen bis 15m optimiert ist - dass es ein Portrait-Objektiv ist hatte ich schon längst wieder vergessen, durch den Crop-Faktor an der *istD ist es mir für Portraits ja zu lang und ich benutz es eher als 135mm-Ersatz. Bei einem Portrait-Objektiv wundert mich die Unschärfe bei offener Blende dann auch nicht mehr, man soll auf einem Portrait ja gar nicht jede letzte Hautunreinheit scharf erkennen können. Dennoch hab ich mal auf 4m Entfernung eine weitere Blendenfolge von einer Tastatur gemacht um zu sehen wie das Schärfeverhalten ist: mir scheint diese Folge auf kurze Distanz bei offener Blende schärfer zu sein. Aus Jux hatte ich dann auch eine Serie ohne UV-Filter gemacht die unerwartet schlecht ausfiel und die ich deswegen sorgfältig wiederholt habe: Man sieht an der Tastatur dass das 77er ohne UV-Filter bei einigen Blenden deutlich unschärfer ist als mit UV-Filter. Erklären kann ich mir das nicht so richtig, ist aber gut zu wissen.

Pol, UV, Sonnenblende, ohne alles

Inzwischen hab ich eine ziemlich übertriebene Gummi-Sonnenblende von Hama ersteigert und hab damit noch mal Gegenlicht-Tests gemacht: Das erste enttäuschende, die supergroße Gegenlichtblende für 200mm Objektive bringt so gut wie keine Bildverbesserung gegenüber der eingebauten lächerlichen lütten Sonnenblende. Und wo ich dann schon mal bei Gegenlicht-Tests war hab ich gleich noch mal Reihen mit Pol-Filter, UV-Filter und ohne Filter gemacht, bei Gegenlicht sieht das Resultat eigentlich immer recht ähnlich aus. Der Polfilter verdunkelt das Bild ein wenig, macht es aber nicht wirklich besser, und der UV-Filter bringt im Gegenlicht nicht mehr den sichtbaren bildverbessernden Effekt wie im normalen Licht bei der Tastatur oben. Kurz: Gegenlicht ist immer gleich schlecht, da lässt sich zumindest bei diesem Objektiv nicht viel rausreißen.

Was im Gegenlicht noch ganz interessant war ist das so ab Blende 11 das Bild einen leichten Rotstich bekam der bei Blende 19 und 22 sehr stark wurde. Der Polfilter hat diesen Rotstich deutlich reduziert. Vielleicht ist das eine Auswirkung der Beugungsunschärfe bei kleinen Blenden?

[Update] Inzwischen hab ich das 77er Limited wieder verkauft - wenn ich Geld über hab werde ich mal das DA-70 ausprobieren.

Veröffentlicht am Mi, 22. Dez 2004, 12:00 von Sam

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